Herz-Raten-Variabilitäts-Messung HRV
Was versteht man unter Herzfrequenzvariabilität?
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV, engl. Heart Rate Variability) ist eine Messgröße
der autonomen Funktion des Herzens. Sie kennzeichnet die Veränderung (Variation)
der Herzperiodendauer aufeinanderfolgender Herzschläge.
Mit anderen Worten, die Dauer von Herzschlag zu Herzschlag ist unterschiedlich lang,
insbesondere bei einer Messung in körperlicher Ruhe und entspanntem Zustand.
Warum schlägt das Herz variabel?

Der Herzschlagrhythmus wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst.
Diese können sowohl physisch, wie bspw. durch Atemfrequenz und Blutdruck etc.,
als auch psychisch, durch emotionale und mentale Prozesse, beeinflusst sein.
Aber auch allgemeine äußere Gegebenheiten wie bspw. körperliche Aktivität,
Nahrungsaufnahme, Koffein und Schlaf verändern unseren Herzschlagrhythmus.
Das Herz reagiert sensibel auf Signale des Organismus und der Umwelt mit fein
abgestimmten Veränderungen der Herzschlagdauer bzw. der Herzfrequenz.
Insofern ist der Rhythmus des Herzschlags variabel und nicht starr.
Diese Anpassungsfähigkeit des Herzens basiert auf einem optimalen Zusammenspiel
des sympathischen und parasympathischen Nervensystems. Diese beiden Systeme
bilden als Gegenspieler das sog. vegetative Nervensystem, welches alle nicht
willentlich beeinflussbaren Anpassungs- und Regelungsprozesse unseres Körpers
steuert (bspw. Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel). Die hochfrequenten
elektrischen Impulse des Parasympathikus wirken hemmend und führen zu einer
sehr schnellen Absenkung der Herzfrequenz. Die niederfrequenten Impulse des
Sympathikus hingegen bewirken eine Steigerung der Herzfrequenz.
In der Variabilität der Herzschlagfolge zeigt sich die Anpassungsfähigkeit
des menschlichen Organismus an sich verändernde Bedingungen. Das Herz reagiert
fortwährend auf innere Signale des Organismus und auf äußere Anforderungen
aus der Umwelt mit fein abgestimmten Veränderungen (Variationen) aufeinander
folgender Herzperioden. Jeder Mensch hat eine individuelle Ausprägung der
Herzfrequenzvariabilität, die von Alter, Geschlecht und genetischen Anlagen
bestimmt wird. Kinder haben eine größere Variabilität als Erwachsene.
Mit zunehmendem Lebensalter und bei hoher Stresseinwirkung nimmt die
Variabilität ab.
Ein moderates Ausdauertraining und ein guter Fitnesszustand tragen zu einer
gesunden Variabilität des Herzschlags bei.
„Wenn der Herzschlag so regelmäßig wie das Klopfen des Spechts oder das Tröpfeln des Regens auf dem Dach wird, wird der Patient innerhalb von
vier Tagen sterben."
WANG SHUHE (3. Jahrhundert n. Ch.)
Welchen Einfluss haben Stress, Anspannung und Entspannung auf die HRV?

Länger andauernde Stresseinflüsse wirken sich unterschiedlich aus und können
unterschiedliche Symptome wie Schlafstörungen, auffällige Nervosität,
depressive Verstimmung, aggressives Verhalten, Herzbeschwerden, Häufung
von Infekten oder muskuläre Verspannungen hervorrufen.
Dauerstress kann bis hin zu psychosomatischem Beschwerden führen. Der Stress verstärkt sich, wenn zusätzliche Stressoren auftreten.
Hierzu gehören
- Zeitdruck,
- Leistungsdruck,
- Misserfolge,
- Existenzangst,
- allgemeiner Ärger u.a..
In Abhängigkeit von der Persönlichkeitsstruktur und den bisherigen Lebenserfahrungen, wird der Stressreiz unterschiedlich empfunden und verarbeitet.
Stresszustände lassen sich durch kurz- und langfristige Bewältigungsstrategien abbauen. Hierzu gehören:
- verbessertes Zeitmanagement,
- Veränderungen von Einstellungen,
- bewusste Wahrnehmung,
- positive Selbstgespräche,
- Maßnahmen zur Abreaktion und/oder
- Anwendung von Entspannungsmethoden. Wie geht das?
Aber auch die Ernährung und regenerationsfördernde Substanzen können zum Stressabbau und einer verbesserten Regeneration beitragen.
Vor einem wichtigen Wettkampf oder einer Prüfung z.B. sind psychischer Stress und Anspannung natürliche Reaktionen.
Diese Reaktionsweisen können sich positiv oder negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirken.
Oft äußern sich die Sportler nach einem misslungenen Wettkampf:
"Heute war ich total verkrampft" oder: „Ich habe meinen Rhythmus nicht gefunden!".
Diese Äußerungen weisen auf psychischen Stress und muskuläre Verspannung hin.
Im Stresszustand lassen sich die Einflüsse des sympathischen Nervensystems auf die Herzaktivität durch die Bestimmung der Herzfrequenzvariabilität belegen.
Die Variation des Herzschlages nimmt unter Stresseinwirkung ab
und äußert sich in einem Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems
(sympatho-vagalen Dysbalance).
Der Gleichgewichtszustand zwischen den sympathischen (stressbezogenen) und
parasympathischen (entspannungsbezogenen) Einflüssen auf die
Herzaktivität ist gestört.
Die HRV-Messung in meiner Praxis
dauert nur wenige Minuten und wird direkt mit Ihnen zusammen ausgewertet.
So haben beide, Behandler und Patient, einen Überblick über die Funktion
des autonomen Nervensystems und der Therapieverlauf kann objektiv
verfolgt und überprüft werden.
